Zugegebener Maßen schaue ich nichtmehr so häufig ins Tageblatt. Nun habe ich es heute doch mal getan, und hab mir die Leser_innenbriefe im Tageblatt-Forum angeschaut – und da graust es einem schon.

Sicher habt ihr alle von dem von Nazis besetzten Hotel gehört. Nun auch das Tageblatt berichtete dazu und bekam einen… nunja… interessanten Leserbrief unter dem Titel „Produkt der Phantasie“

Die Berichterstattung über diesen Vorgang finde ich im höchsten Maße unbefriedigend. Woraus ist zu schließen, dass es sich bei den Besetzern um Neonazis handelt? Ist mindestens ein Besetzer dafür rechtskräftig verurteilt? Oder handelt es sich vielleicht um getarnte Linksextreme? Die bei den Gruppen bisher gefundenen Waffen – Pfefferspray und ein Schlagstock – rechtfertigen keine großen Befürchtungen. Wer die angeblich gehörten Schüsse abgegeben hat, ist ungeklärt. Oder handelt es sich dabei um Produkte einer überreizten Fantasie oder eines zu laut eingestellten Fernsehers?
Selbstverständlich kann der angeblich rechtsextreme Rechtsanwalt Rieger – wer hat das eigentlich rechtskräftig festgestellt? – Pachtverträge abschließen. [...]

Ja ne ist klar. Bewaffnete Nazis sind nicht gefährlich – und eigentlich auch keine Nazis und Rieger sowieso nicht. Gehts noch?

Rieger Bekennt sich als Nazi und die Besetzer hatten ein Banner mit der Aufschrift „Nationaler Widerstand“ aus dem Fenster gehängt… reicht das als Beleg?

Auch schön die ausführliche, fundierte und hochprofessionelle Kunstkritik zur Holzinstallation am Backeltrog:

Nach einem ersten schnellen Blick aus dem Auto heraus hat man den Eindruck, dass hier wohl einer Gerüstbau-Firma das Material vom LKW gerutscht sein muss. Doch später, nach etwas genauerer Betrachtung kommt man zu dem Schluß, dass hier Jugendliche nach einer Abi-Abschluß-Fete sehr kreativ gewesen sind. Ein gelungener, lachwürdiger [!sic] Scherz! Doch leider verhält es sich ganz anders. Da hört und liest man mit zunehmender Enttäuschung, dass dies Kunst sei. Auweia! Zur Kunst gehört natürlich, wie so oft, ein sinnesverwirrter Künstler. Das scheint hier der Fall zu sein.
Der Kurator Dr. Berg hat völlig Recht, wenn er hier von Dekonstruktion, Explosion und Auflösung spricht. Es ist äußerst erschreckend, wenn Fachleute zu solchen Erkenntnissen kommen müssen. [sic!] Es ist verwunderlich, daß die Stadt Stade sich immer wieder in Abständen solche Dinger unterjubeln läß. Die hier für nötigen Gelder wären an anderer Stelle sinnvoller angelegt. Und: Es ist schon fast eine Frechheit, dieses „Kunstwerk“ Stader Bürgern und besonders den Anliegern zuzumuten.

Tja schade – wenn man so gar kein Gespür für jegliche – auch sprachliche – Ästhetik hat.

Egal, Beschweren sie sich nicht – ich kann mich doch auch nicht gegen diesen dummdeutschen, anti-kulturelle Blödsinn wehren, der mit bei der Lektüre des Tageblatts zugemutet wird. Fehlt nur noch die Bezeichnung „entartete Kunst“. Stade, du provinzielles Opfer.

Außerdem findet sich im Tageblatt vom 31.0709 ein Kommentar des Hechthausener Volker Nutbohm , der mal wieder in stumpfdeutscher Manier fordert doch beim Gedenken ja nicht die unschuldigen Deutschen zu vergessen:

Die Aufregungen über die Stolpersteine scheint mir doch sehr an den Haaren herbeigezogen. Durch Proteste aus dem linken Milieu angestachelt, wird hier eines ernsten Themas einmal mehr nur einseitig gedacht. Unschuldig waren nicht nur die genannten Bürger aus Stade, die durch Deportation ums Leben kamen, sondern beispielsweise auch Zivilisten in und um Stade, welche gegen Kriegsende durch Tiefflieger von ihren Fuhrwerken geschossen wurden. Einfach nur so, weil alliierte Flieger nichts Militärisches auf ihrer Jagd fanden. …Hier könnte das Tageblatt doch auch einmal recherchieren. Das wäre meiner Meinung nach, genauso ein Stolperstein wert ….

Ich bin froh, dass es da nur beim Wunsch bleiben wird.

Verfasst von: mueslimuesli | 4. August , 2009

Bad-Nenndorf: Bürgerlicher Protest auf Sand gebaut?

Und dann fragt man sich dann doch: Wer soll eigentlich wo raus? Raus aus wo oder rein wohin? Rein und raus und raus wohin, wer soll eigentlich wo raus und rein wohin?

Am 1. August demonstrierten nach Pressemledungen mehr als 1000 Menschen gegen einen Naziaufmarsch; auch ich war mit einigen Freunden dabei.

Anlass war ein von Neonazis veranstaltete socalled „Trauermarsch“ zum Wincklerbad. Die Faschos wollen den millionenfache Mord durch ihre Deutschen Vorbilder, gegenüber Folterungen der Alliierten im damaligen Verhörzentrum (1945 bis 1947 in besagtem Bad) der britischen Befreier relativieren. Darauf muss – denke ich – nicht weiter eingegangen werden.

Die Gegenveranstaltung – „Bad Nendorf ist bunt statt braun“ begann mit Redebeiträgen am Bahnhof und gipfelte in einer Abschlussveranstaltung mit ‘Volksfestcharakter’ – insgesamt gab es fast 20 (!) Wortbeiträge. Warum ich glaube das Bad-Nendorf ein gutes Beispiel für die schlechte theoretische Unterfütterung bürgerlichen Protests ist will ich im folgenden beschreiben.

Zuerst einmal ist es natürlich gut, wenn sich auf der Gegendemonstration (laut npd-blog.de 1000 vs 600, gibt aber auch umgekehrt lautende Schätzungen) mehr Menschen einfinden als auf Seiten der durchgeknallten Geschichtsrevisionist_innen. Dies heißt dann aber noch lange nicht, dass damit die Ziele, die ich mit einer solchen Demonstration verbinde, erreicht sind. Denn den Nazis konnte in zweierlei Hinsicht kaum etwas entgegengesetzt werden: Die Blockade vor dem Bad, die dort seit dem frühen Morgen mittels einer Betonpyramide den Platz besetzte, wurde von der Polizei beseitigt. Und auch ansonsten schafften es soweit bekannt nicht einmal Einzelgruppen den Marsch zu verzögern, aufzuhalten oder zu blockieren.

Die andere Seite,  ist die Ausgestaltung der Gegenveranstaltung. Sie wirft ein schlechtes Licht auf linke Bündnispolitik. Ich will hier nicht den gesamten Diskurs aufrollen, ob es einer progressiven Gesellschaftskritik nun zu- oder abträglich ist an breiten Bündnissen zu partizipieren; die verantwortlichen von „Bündnis NS-Verherrlichung stoppen!“ müssen sich allerdings die Frage nach dem Sinn stellen lassen. Mit „Nie wieder Deutschland“-Rufen durch ein Wohngebiet zu ziehen mag für den einen oder die andere ja eine nette Nachmittagsbespaßung sein, dem Ziel, breitere gesellschaftliche Schichten bzw. ein größeren Teil der Menschen für seine Analyse & Kritik zu gewinnen, kam man an diesem Tag allerdings nicht näher.

Der Zentrale Punkt im Umgang mit Naziideologie wird nach meiner Auffassung gut im Text „Der Sound des deutschen Schweinestall“ auf den Punkt gebracht:

[...] Es kommt für einen erfolgreichen Kampf gegen die Nazi-Ideologie darauf an, die Begründungen und deren Voraussetzungen zu kritisieren und zu widerlegen. Bloße Ablehnung oder Empörung ist zwar besser als Gleichgültigkeit oder gar Zustimmung, letztlich aber hilflos. Mehr noch: Ihr gegenüber erscheinen die Nazis leicht als diejenigen, bei denen Argumente zählen statt Emotionen und Dogmen. [...]

Und so gab es eben einige sehr scheußliche Wortmeldungen, unter anderem trug der Sprecher für die CDU ein „TEAM DEUTSCHLAND“ T-Shirt* und sprach in seiner Rede – direkt nach der Vertreterin der jüdischen Gemeinde – davon, dass wir alle „im christlichen Glauben verbunden“ wären, nahm positiv Bezug auf die „Leitkultur“ (wörtlich!) und setzte natürlich Rechts- mit Linksextremismus gleich. Andere Reden waren weniger schlimm, beschränkten sich aber nahezu ausschließlich auf das Gerede von „Bunt statt Braun“, „hier ist kein Platz für Nazis“, „Wir wollen euch nicht“, etc. – Keine Analyse, kein Gesellschaftkritik, nichts. Selbst der Sprecher für die „Antifagruppen“ kam aus einer defensiven Verteidigunsposition kaum heraus: Wir sind die guten, wir wollen eine Gesellschaft in der es keine Ausländerfeindlichkeit und keinen Rassismus gibt – „das ist nicht Extremistisch, das ist menschlich“. Dem Bild, Nazis seien vereinzelte Irre, ein ordungspolitisches Problem und hätte mit dem neuen, geläuterten, sauberen Deutschland nichts zu tun, konnte nicht beigekommen werden.

* den Kommentar: „Das marschiert doch eigentlich da am Bad“ konnte ich mir, wie auch jetzt: nicht verkneifen

Hier wurde dich Chance vertan einige Worte zu verlieren über Kapital- und Konkurrenzlogig als Ursprung des neofaschistischen Übels, über die postfaschistische Mehrheitsgesellschaft, über die weite Verbreitung von Ressentiments in der „gesellschaftlichen Mitte“, das menschenverachtende europäische Grenzregime, faschistische Tendenzen in demokratischen Parteien, etc. pp.

M. Horkheimer: „Wer aber vom Kapitalismus nicht reden will, sollte auch vom Faschismus schweigen.“

Stattdessen durften sich die anwesenden Bürger_innen als die Guten feiern und gingen nach Trommelkonzert, Eis- und Pizzakonsum ohne Erkenntnisgewinn zufrieden nach Hause.

Die Band „Bad Nendorf Boys“ brachte es unfreiwillig auf den Punkt: „Das hier ist unser Redebeitrag, der hat nur zwei Wörter: Nazis Raus!“ – Dazu verbleibe ich mit den „Goldenen Zitronen“

Was solln die Nazis raus aus Dütschland?
Was hätte das für’n Sinn?
Die Nazis können doch net naus, denn hier jehörn se hin

Verfasst von: mueslimuesli | 3. August , 2009

Stolpersteine: Lichtblicke im Tageblatt

Während das Abendblatt, das die ganze Debatte überhaupt erst angefangen hatte, am 01.08. schreibt

Die Stolpersteine sollen nun doch nach Stade kommen. Dafür setzen sich mittlerweile Politiker der SPD, der Grünen, der FDP und jetzt auch der CDU ein. Noch vor zwei Wochen hatten sich mehrere CDU-Politiker gegen die Errichtung der Gedenksteine an Opfer des Nationalsozialismus in der Hansestadt ausgesprochen.

… verschwieg das Tageblatt die Kontroverse bis zum 29.07 ganz (erster Artikel im Abendblatt am 18.07) und verschweigt auch die z.T. sehr krassen Aussagen die gegenüber dem Abendblatt gemacht wurden. Der neue Artikel (ebenfalls 01.08) firmiert dann unter dem Titel:

„CDU sagt ja zu Stolpersteinen“

Dieser Artikel lässt die Kontroverse komplett außen vor und suggeriert die CDU wäre nur vor 4 Jahren gegen die Gedenksteine gewesen, natürlich aber nicht in frühster Vergangenheit. Dies sei aber ausdrücklich verziehen:

Denn Wolfgang Stephan schreibt in seinem Kommentar:

Was war das bisher eine unsägliche Phantom-Debatte in Stade: Ohne dass irgendwer die Schaffung von „Stolpersteinen“ beantragt hatte, begründeten die CDU-Politiker Behr und Bohlmann, warum sie die Gedenksteine nicht wollen. Und sogleich fordern die Jusos den Rücktritt von Behr.
Bei allem Verständnis für Wahlkampf und politische Sommerflaute: Diese Debatte eignet sich nicht für parteipolitisches Scharmützel, schon gar nicht in einer Stadt, die stolz auf den Titel „Hansestadt“ ist und eine Partnergemeinde in Israel hat.
Unbegreiflich, wenn da einige CDU-Politiker meinen, es werde „ausreichend“ an die NS-Opfer erinnert. Ausreichend?
Alleine der Begriff ist unsäglich. Dieses Land kann gar nicht ausreichend an die NS-Opfer erinnern.
Meine Herren der CDU: Es gibt mindestes 16 unausweichbare Argumente für diese „Stolpersteine“, denn so viele Opfer sind derzeit namentlich bekannt.
Also benehmt euch bitte so, wie sich das für verantwortungsvolle Politiker gehört. Beendet eure Rechtfertigungs-Arie und unterstützt die neuen Initiativen für die „Stolpersteine“ denn alles andere wäre nach dieser Vorgeschichte schädlich für das Klima in und außerhalb dieser Stadt.

Ich muss sagen, obwohl hier natürlich der Seitenhieb auf die Jusos nicht fehlt, ihnen gar parteipolitisches Taktieren vorgeworfen wird, übelster Standortchauvinismus („Stade darf sich nicht blamieren“) zu Tage tritt und gar der Titel „Hansestadt“ (was hat der damit zu tun?) zur Argumentation herangezogen wird: So etwas gutes las man im Tageblatt lange nicht. [hier Applaus denken]

Verfasst von: mueslimuesli | 21. Juli , 2009

„Wir denken genügend an die Opfer des Nationalsozialismus“

Im zweiten Weltkrieg fanden 55 Millionen Menschen durch die Nationalsozialistischen Kriege und industrielle Vernichtung den Tod – eine unfassbare Zahl, ein unfassbarer Bruch mit Zivilisation und Menschenwürde.

Wie nun ausgerechnet Dieter-Theodor Bohlmann (CDU Ratsherr in Stade) auf die Idee kommt, feststellen zu können wann nun mal genug Gedenken an diese Gräultaten ist, ist mir total schleierhaft. Er gab Unrat von sich, der sehr an die deutschtümelde Rede von „es-muss-Schluss-sein-was-können-’wir’-dafür“ erinnert: „Wir denken genügend an die Opfer des Nationalsozialismus“ (Abendblatt).

Geäußert hatte der Ratsheer, der sonst noch als Museumsleiter die Kulturnation Deutschland nach vorne bringt, diese Scheußlichkeit im Zusammenhang mit der Debatte um die Verlegung von sogenannten „Stolpersteinen“. Einer Art „Mini-Gedenktafeln“ des Künstlers Demning. Die ebeneerding eingelassenen Tafeln erinnern vor den entsprechenden Wohnhäusern an deportierte und von den Nazis ermordete Juden. 17.000 Steine in etwa 430 Städten wurden bereits verlegt (Stand: 2008), auch in Neuenfelde im Alten Land.

Die angebliche bürgerliche Mitte, CDU/FDP/WG, lehnt dieses Projekt für Stade mit der Begründung ab, „Die Stehlen am Sande-Platz und an der St.-Wilhadi-Kirche sowie die Tafeln an der ehemaligen jüdischen Synagoge am Cosmae-Kirchhof und am Pastor-Behrens-Haus würden ausreichen. Im November vergangenen Jahres wurden zudem der jüdische Friedhof eingefriedet und Gedenkstellen aufgestellt.“.

Als wenn jemals irgend eine Tafel, irgendein Monument, irgendeine Feier „genug“ an Völkermord und Vernichtungskrieg der Deutschen erinnern könnte. Aber die Tafeln und Steine, fernab vom täglichen Leben und nur zu Trauertagen angeschaut, sind natürlich bequem: Erinnerung in Mund- und CDUgerechten Portionen, da kommt z.B. Zweifel am neuen Du-Bist-Deutschland-Nationalstolz gar nicht erst auf – die Zeichen der Erinnerung sieht ja niemand.

Der Oberknaller kommt aber erst noch: Bohlmann lässt sich herab das Leid der von Nazis Verfolgten und Ermordeten mit dem der deutschen „Zivilbevölkerung“ zu vergleiche. Wenn in diesem Kontext gesagt wird: „Die ganz normalen Familien haben viel Leid erfahren. Daran muss auch erinnert werden.“* – ist es nicht mehr weit zur Lüge vom „Alliierten Bombenholocaust in Dresden“.

* Im übrigen wirft diese Frechheit die Frage auf: Sind Jüdinnen und Juden keine „ganz normalen Familien“?

Nach der größten Geschmacklosigkeit kommen wir nun zum Award für die bekloppteste Äußerung zum Thema. Den bekommt heute Ingelore Heueck (WG). Sie sagte laut Abendblatt, sie habe gegen die Stolpersteine gestimmt, „weil sie das historische Pflaster etwa mit Kopfsteinen in der Innenstadt nicht verändert wollte. „Außerdem müssen die öffentlichen Wege barrierefrei sein. Das war ein Problem“"

Das einzige Problem scheint die Unfähigkeit der Frau Heueck zu sein, sich zu Informieren. Ein einfacher Blick in die Wikipedia hätte ihr eröffnet: „Nein, nein man stolpert nicht und fällt hin, man stolpert mit dem Kopf und mit dem Herzen“ Aber immerhin: „Heueck ist inzwischen offen für eine neue Diskussion.“ (Abendblatt) Laut Abendblatt vom 22.07. hat Frau Heueck ihre Meinung gegen Damals geändert und spricht sich nun  für die Stolpersteine aus; will sogar die Pflege der Messingplatten übernehmen.

Die Award für die Frecheit des Tages geht an Karsten Behr (Sprecher der CDU/FDP/WG-Gruppe)

Behr wirft Demnig Selbstvermarktung vor: „Der Künstler hat eine eigene, private Arbeitsbeschaffungsmaßnahme zelebriert.“ Das wolle er nicht unterstützen: „Das ist eine kluge Geschäftsidee. Der Künstler vermarktet sich selbst.“ Dabei ginge es Demnig um den Verkauf der Steine.

Dieser Blödsinn erinnert schon an den Nazi-Schnack von der Holcaust-Industrie: Das internationale Judentum würde sich durch das Gedenken an den Holcaust bereichern.

Update: Interessant mal wieder die Reaktion von Frau Krogmann. Offenbar hat sie es sich zur Aufgabe gemacht das Verbal-Erbrochne der Stader CDU auf zu wischen: Damals stellte sie sich gegen den Rechts-Schreiberling Rohbohm, vor ein paar Wochen dann gegen die Einladung des NPD-Mann Adolf Damman durch den CDU-nahen Bürgermeister und nun auch gegen die krude Argumentation gegen die Gedenksteine – wie hält sie das überhaupt aus? ;-)

Letztendlich bleibt es mir einmal wieder dem „Abendblatt“ zu danken, dass es dieses Thema auf die Agenda bringt. Im Tageblatt ist bisher nichts zu lesen.

Update: Im Abendblatt vom 21.07.09 erschien ein Leser_innenbrief zum Thema, den ich euch nicht vorenthalten will:

Die NS-Zeit wird totgeschwiegen

Danke für den Artikel in der Beilage „Stade & Buxtehude“. Es wundert mich überhaupt nicht, dass die CDU versucht, solche Steine zu verhindern. Im Umland von Stade hat es in einigen Gemeinden zur NS-Zeit Lager für Zwangsarbeiter gegeben. Das wird heute am liebsten totgeschwiegen. Niemand hat etwas gewusst und gesehen. Ich selbst war in Delmenhorst bei einer Stolpersteinverlegung dabei. Ich hatte absolut nicht den Eindruck, dass Herr Demnig sich daran bereichern will. Ich finde diese Steine eine sehr gute Idee. Die Ausreden der Politiker, die diese Steine nicht wollen, sind einfach an den Haaren herbeigezogen. Was soll man dazu noch sagen?

I. Reinstorf, Buxtehude

Verfasst von: mueslimuesli | 11. Juli , 2009

Tageblatt & „Ein Türkenjunge auf dem Weg in den Bundestag“

Die Bundeswehr vergibt wieder das Eiserne Kreuz – das darf nur nicht so heißen, 550 Stader_innen wählen bei den Europwahlen irgendwelche braune Grütze rechts der CDU und dann auch noch diese Überschrift.  Klar: das ist natürlich eine pessimistische Zusammenfassung der Zeit seit dem letzten Blogeintrag. ;-)

Dennoch: Was – wenn überhaupt – hat sich der Verfasser des Artikels (der vorsichtshalber sein Kürzel nicht hinterlässt) bei der Überschrift gedacht? Gibt mensch das Wort „Türkenjunge“ in die Suchmaschien Google ein findet mensch unter den Suchergebnissen wenig schönes:

Ausländerfeindliche und Islamophobe Foren wie „Grüne Pest“ und die Nazi-Seite Altermedia lassen sich herab mit diesem Begriff Ausländer_innen als generlle dümmlich / kindlich abzuwerten. Und  dazwischen (an vierter Stelle) eben entsprechender Tageblatt-Artikel.  War das wirklich die Gesellschaft in die man sich begeben wollte?

Der Artikel selbst hinterlässt im Zusammenspiel mit der Begrifflichkeit auch einen wenig positven Eindruck; irgendwie geprägt von einem ethnopluralistischen Weltbild in dem es „zwar nicht schlimm“ einer anderen „Ethnie“ anzugehören – aber erwähnenswert und wichitg.

In diesem Zusammenhang Schön auch der Satz zu Nation, Staat und „Volkszugehörigkeit“…

Ein Türke im Bundestag? Nicht unbedingt, denn Serkan Tören hat seit 1992 einen deutschen Pass. „Eigentlich habe ich mich immer als Deutscher gefühlt, wenngleich ich natürlich von außen auch als Türke gesehen wurde.“ Womit er keine Probleme hatte.

Ein Türke im Bundestag – Ja und? „Nicht unbedingt“ – hört, hört. Ich für meinen Teil muss sagen, ich bin froh das selbst die BRD Ansätze einer modernen Staastsbürgerschaft etabliert hat – und „Deutschsein“ keine „Bluts-Angelegenheit“ ist. Das Angebot des Tageblatts an dieser Stelle an die Leser_innen: Entscheiden sie doch selbst ob er ein Türke für sie ist; ob ihnen da Papiere oder doch „Blut“ & „Rasse“ wichtig sind.

Update: Zum Thema Staatangehörigkeit ein guter Artikel in der Jüdischen Allgemeinen , der kostenlos im [anti-] Npd-Blog zur Verfügung steht.  Sergey Lagodinsky schreibt abschließend zum…

[...]Blutprinzip der Staatsangehörigkeit

Es zeigt uns eine Gemeinschaft, die sich nur widerwillig vom Blutprinzip der Staatsangehörigkeit lösen mag. Der Staatsrechtler Joseph Weiler hat Mitte der 90er-Jahre vermutet, dass nationale Loyalität der moderne Ersatz für das religiöse Bekenntnis geworden sei. In der Tat weist vor allem die oft unsachliche Diskussion um die Mehrstaatlichkeit Sakralisierungszüge auf: Wer mehr als einen Pass sein Eigen nennt, wird als staatspolitischer Götzendiener diffamiert. Mit dem neuen Staatsangehörigkeitsrecht wollte man Ende des 20. Jahrhunderts einen Weg in die deutsche  Vielfaltszukunft ebnen. Nun sollte man die Tore in diese Zukunft auch denjenigen aufschließen, die in Deutschland aufgewachsen sind und sich diesem Land genauso zugehörig fühlen wie der Türkei, Frankreich oder Russland. Es ist an der Zeit, auch in dieser Frage staatspolitisch endlich Tacheles zu reden.

Auch wenns wehtut: zurück zum Tageblatt:

„[...] Auch wenn er damit heute kokettieren könnte, mag er keine Geschichten über Diskriminierungen erzählen, selbst auf dem Fußballplatz sei das alles relativ normal gewesen.[...]„

Hier wird angenommen, mensch könne sich in diesem Land beliebter machen durch die Darstellung als Opfer von Ausländerfeindlichkeit und gekonnt die vorherrschende gesellschaftliche Ablehnung gegenüber vermeintlichen „Fremden“ – jeder vierte Deutsche gilt als Ausländerfeindlich – ignoriert und – etwas weiter gedacht – implizit Kritik an allen geübt die sich durch dieses „kokettieren“ beeindrucken lassen.

„Immerhin hat er es bis in die Bezirksauswahl gebracht – als Spieler bei Güldenstern. Dem Abitur am Vincent-Lübeck-Gymnasium (2,5) folgte das Studium der Rechtswissenschaften. Alles also irgendwie normal.“

… genau. Fußball ist ja auch irgendwie deutsch – also normal -  und überhaupt…

„[...] Wie kommt ein 20-jähriger Fußballer von Güldenstern Stade als Kind zweier hart arbeitender Türken ausgerechnet in die FDP?“

„ausgerechnet“? Ja warum denn nicht? Die FDP die das (aus meiner sich falsche, aber das ist ein anderes Thema) radikale Leistungsprinzip vertritt passt nicht zusammen mit dem ja schon kulturell bedingt  schmarotzenden Türken, darum sollte er ehr zu >Die Linke< gehen, oder wie? Was soll die Formulierung?

Neben indierekten Einblicken in die verquere – oder zumindest unreflektierte – Weltsicht gibt es journalistisch hochspannende Erkentnise wie:

„[...] Serkan Tören kandidiert als Direktkandidat der FDP im Wahlkreis Stade/Bremervörde, was für die Menschheit im Allgemeinen allerdings auch nicht sonderlich wichtig ist. Aber: Der Stader steht auf Platz acht der FDP-Landesliste [...]„

Naja, vielleicht lese ich da ja auch einfach zuviel rein, … ;-)

Verfasst von: mueslimuesli | 10. Juni , 2009

Stade, 12:00 Uhr am Sande, BILDUNGSDEMO

Leute kommt vorbei:

Der Landesschülerrat-Niedersachsen hat lange mit der Kultusministerin des Landes Niedersachsen (Heister-Neumann, CDU) verhandelt – ohne Ergebnisse.

Nun hat die Landesschülervertretung die Verhandlungen abgebrochen – und ruft zu Demonstrationen in ganz Niedersachsen auf. Eine davon soll in Stade stattfinden. Wir werden die folgenden Forderungen auf die Straße tragen:

Mehr Investitionen in Bildung!

Schluss mit maroden Gebäuden!
Volle Bildungsfreiheit!
Keine Studiengebühren!
Lernmittelfreiheit!
Kostenlose SchülerInnenbeförderung!
Ehrliche Bildungspolitik!
Abschaffung der Kopfnoten!
Flächendeckendes Gesamtschulangebot!
Kleinere Klassen!
Konsequenter Ganztagsschulausbau!
Mehr LehrerInnenstellen!
Bessere Ausstattung von Schulen!
Kein Turboabi!

am 17. Juni 2009 um 12:00 Uhr auf dem Platz am Sande

Infos auf: http://www.Bildungsdemo-Stade.de.vu/

Verfasst von: mueslimuesli | 26. Mai , 2009

No Border. No Nation. Stop Deportation.

folgende Zeilen schrieb Hamidur Rahman, ein Asylantragssteller, der sich am 03. Mai 2008 das Leben nahm: “ Wenn Du das liest, bin ich nicht mehr in dieser Welt. Mein Pech in dieser verrückten Welt war, dass das inhumane System micht nicht mehr leben ließ. ich bin nun frei von allen inhumanen Regeln und Regulierungen, frei von Gefängnis und Depression. Ich werde kein gültiges Stück Papier mehr brauchen, das die Leute „Ausweis“ nennen. Es ist mein letzter Traum, dass eines Tages eine „Global ID“ weltweit gültig ist, und dass in allen Ländern die Menschen zusammenleben ohne Grenzen und Pässe. Mein Tod ist meine Antwort gegen alle inhumanen Systeme und für die Einführung der „Global ID“ in dieser Welt“.

[Aus einer Mailingliste]

Verfasst von: mueslimuesli | 19. Mai , 2009

„Umwerfende Erkenntnisse“ beim Klimaschutz

Im folgenden findet ihr einen Tageblatt-Leserbrief , der die Sache einfach so gut auf den Punkt bringt, dass ich ihn kaum weiter kommentieren brauche.

Stefan Kruijer, Kalmarweg in Stade schreibt zum Interview mit Landrat Roesberg „Der Klimawandel geht jeden an“ vom 14. April, zum Artikel „Umwelt schützen“ vom 28. April und zum „Bericht zum kommunalen Klimaschutz im Landkreis Stade“
(Leserbrief erscheint am 19. Mai 2009 im Stader TAGEBLATT):

Haben Sie schon mal versucht mit einem Eimer Wasser ein brennendes Haus zu löschen? Wohl eher ein hoffnungsloses Unterfangen. Was aber, wenn das jemand macht, der das Haus zuvor selbst angezündet hat? Das kommt einem, vorsichtig formuliert, doch seltsam vor. Und wenn sich der Brandstifter jetzt noch in aller Öffentlichkeit hinstellt und die Anschaffung des Eimers als neuste Innovation anpreist und sich auch noch applaudieren lässt, dass er die Brandbekämpfung revolutioniert hat? Spätestens jetzt sollte man entweder am eigenen, besser aber wohl am Verstand des vermeintlichen Super-Feuerwehrmanns zweifeln.
Sehr ähnlich kommt mir aber das vor, was ich in den letzten Wochen lesen musste, nachdem der Landkreis Stade seinen „Bericht zum kommunalen Klimachutz“ vorgestellt hatte. Begleitet von einem Interview mit dem Landrat und einer Ausstellung „Global denken – regional handeln“ wird dieser Bericht beworben. Da muss man dann solche umwerfenden Erkenntnisse lesen, wie zum Beispiel, dass es gut fürs Klima ist, wenn die Menschen mehr Busse und Bahnen oder sogar mal das Fahrrad benutzen. Wahnsinn. Gut, dass mal endlich jemand diese Erkenntnis gewonnen hat. Was würden wir nur ohne diesen Bericht machen?
Damit keine Missverständnisse aufkommen: Jede der dort aufgeführten Maßnahmen wird von mir begrüßt, da jeder noch so kleine Beitrag helfen kann, unser Klima zu retten. Aber angesichts von drei Kohlekraftwerken, die im Kreis Stade geplant sind (und politisch unterstützt werden), und die zusammen jährlich über 15 Millionen Tonnen CO2 produzieren würden, erscheinen einem alle anderen Maßnahmen wie ein Tropfen auf den heißen Stein.
Da tut es doch gut zu lesen, dass der Landrat selbst anscheinend den Versuch aufgibt, sich als verantwortungsvoller Politiker darzustellen. Zitat: „Eines aber steht für mich fest: Im Alten Land wird es keine weiteren Windkraftwerke geben.“ Eben, denn Kohlekraftwerke mit 120 Meter hohem Kesselhaus, 180 Meter hohem Schornstein und 200 Tonnen Feinstaub-Emission pro Jahr fügen sich viel idyllischer in unsere Tourismusregion Altes Land als so ein Windrad.

Mehr solche Briefe – dann wird das auch was mit der angenehmen Tageblattlektüre. (Schade nur das das Tageblatt selbst nicht auf diesen – naheliegenden – Interpretationsansatz gekommen ist…)

Verfasst von: mueslimuesli | 10. Mai , 2009

Bollerwagentour nach Dänemark

An dieser Stelle ein kurzer Hinweise auf das neue Blog aus Stade: http://www.bollerwagentour.de.ms/
Zwei junge Männer aus meiner Parallelklasse werden nach eigenen Angaben den Weg zur Abifahrt zu Fuß antreten (fast 300 km) – und sie wollen darüber bloggen.

Verfasst von: mueslimuesli | 6. Mai , 2009

Kurz kommentiert: Bild-Niveau-Panikmache erreicht Landkreis

Das Tageblatt schreibt unter „Aktuelle Meldungen“ (schön in Rot hinterlegt, mit einem großen ACHTUNG-Schild versehen):

Schweinegrippe erreicht Landkreis

Um dann im Artikel zuzugeben das die eigene Überschrift Blödsinn ist:

Ob er sich tatsächlich mit der Influenza A (H1B1) angesteckt hat, wird sich erst heute Nachmittag bestätigen. Dies wurde um 12 Uhr auf der Pressekonferenz im Kreishaus in Stade mitgeteilt. Hier trafen sich unter anderem Dr. Hans Joachim Raydt, Sprecher der Kassenärztlichen Vereinigung, Professor Benno Stinner, Chefarzt des Elbeklinikums und Dr. Gerhard Pallasch, Leiter des Gesundheitsamtes des Landkreises.

Vielleicht hätte mensch hier statt „bestätigen“ auch „klären“ verwenden sollen… Wie dem auch sei:

Wenn also nicht das H1N1-Virus Stade erreicht hat, dann kann mit Schweingrippe eigentlich nur die Medienhisterie und skandalgeile Berichterstattung gemeint sein die das Thema umweht.

Somit hat die Überschrift dann doch wieder etwas Wahres.

Update:

Neuer Artikel bei Tageblatt.de:

Letzte Meldung: Doch keine Schweinegrippe

Wer hätte DAS ahnen können….?!

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